Ein reifer Blues-Jahrgang im Piano
Whisk(e)y, Wein und Bluessänger – je länger sie reifen, desto besser werden sie. Mitch Ryders Stimme ist durch vier Jahrzehnte, viele Hochs und Tiefs und ungezählte Auftritte gegangen, um zu einem ganz besonderen Genuss für Bluesfans zu werden. …
… Knapp 400 von ihnen waren dafür ins Piano in Lütgendortmund gekommen.
Schneller, treibender Rhythmus. Langsam kommt er aus dem Hintergrund. Dunkler Anzug, dunkler Hut, dunkle Brille – Mitch Ryder verharrt einen Moment, bevor er seine Stimme erschallen lässt. Kraftvoll und rau klingt sie, so als wären seine Stimmbänder kurz vorm Zerreißen. Mit dem eröffnenden “Long Hard Road” hat er das Publikum fest in seinem Bann. Seit seinem legendären Rockpalastauftritt aus dem Jahr 1979, mag der Amerikaner äußerlich gealtert sein – seine Stimme ist intensiver denn je. “Ain´t nobody white can sing the blues”, “Tough Kid” – druckvoll und mit höllischem Tempo zelebriert er mit seinen erstklassigen Musikern den Blues.
Kaum jemand im Saal, der es schafft, sich nicht zu bewegen. Beim getragenen “All the fools it sees” lauschen die Zuschauer ergriffen, wie der 64-Jährige seinen Schmerz in hohen Tonlagen rauslässt. Ein Lächeln huscht danach über sein Gesicht, als sich das Publikum mit einem spontanen Geburtstagsständchen revanchiert. Und auch beim Stones-Klassiker “Heart of Stone” bilden die Besucher einen passablen Background-Chor. Zweieinhalb Stunden lang genießen die Fans einen besonderen Blues-Jahrgang. (wege)