American Cajun, Blues & Zydeco Festival

02.11.2014

American Cajun, Blues & Zydeco Festival

Datum: 02.11.2014

Kategorie: Konzert

Veranstalter: 3Dog-Entertainment oHG

Konzertdetails:

Musiktheater Piano
Lütgendortmunder Straße 43 Dortmund DE-NW 44388 DE
  • Datum
    02.11.2014
  • Einlass / Beginn
    16:00 Uhr / 17:00 Uhr
  • Tickets
    VVK: 21,00 € / AK: 26,00 €

Konzertinformation:

feat. SARAH SAVOY & Hellraising Hayride, Cajun Roosters & Buddy Flett

Das Festival ist seit 2001 jedes Jahr um die Halloween-Zeit auf Tour und hat sich zum Bekanntesten dieser Art in Deutschland entwickelt. In Europa zählt es für die Fans neben drei ähnlichen Festivals in F, NL und UK zu den Highlights des Cajun & Zydeco Jahres. Die Presse nennt es bereits in einem Atemzug mit dem Blues Caravan. Die Besucher reisen dabei zum Teil von weit an und manche folgen dem Tross quer durch die Lande. Das hat auch einen guten Grund, denn es ist so ziemlich die einzige Gelegenheit, Bands von echtem Schrot und Korn aus den Südstaaten der USA zu hören, wie z. B. Jeery Broussard, Geno Delafose, Leon Chavis, Lafayette Rhythm Devils, Corey Ledet und den vierfach Grammy nominierten Cedric Watson. Diese teilen sich dann die Bühne mit den besten Vertretern der europäischen Szene. Zum Abschluss gibt es immer eine ausgelassene Session aller Teilnehmer. Eine Eintrittskarte für das Festival ist nur ein Bruchteil dessen, was eine Reise in das Mississippi Delta kostet, aber immerhin hat man mehr als drei Stunden lang die perfekte Illusion, in das quirlige Leben dort eingetaucht zu sein.

Was sind denn aber diese drei exotisch anmutenden Musikstile aus den Alligatoren verseuchten Bayous von Louisiana? Haben sie eine Geschichte? Ja! Und was für eine! Als die ersten ‚Acadians‘ – also europäische Auswanderer französischer Abstammung – zwangsweise 1755 von den Briten aus Kanada vertrieben wurden, weil sie nicht der britischen Krone angehören wollten, wurden sie in den unwirtlichen Sümpfen von Louisiana angesiedelt. Sie brachten französische Akkordeon- Musik und Lieder mit. Diese vermischten sich mit dem Blues der schwarzen Plantagensklaven aus Afrika und den wilden Polyrhythmen der Karibik, die ja vor der Haustür Louisianas liegt. So entstand also Cajun & Zydeco als eine Fusion mehrerer Kulturen. Ein gutes Jahrhundert musste ins Land gehen bevor man dafür den Begri Weltmusik kreierte. Später entwickelte sich daraus auch der R&B sowie der Rock’n’Roll.

Um Cajun pur zu spielen, braucht man nur Fiddle und Triangel und schon geht‘s los. Sehr typisch und beliebt sind auch Akkordeon und Gitarre. Sie steuern eingängige Melodien und einen treibenden Rhythmus bei. Meist heiter, manchmal auch traurig. Immer gespickt mit Geschichten mitten aus dem lokalen Leben. Es geht um Luft und Liebe, Essen und Trinken und natürlich die Cajuns selbst. Die mehr von der schwarzen Bevölkerung bevorzugte Variante nennt man Zydeco. Den Blues muss man wohl nicht besonders erklären. Den muss man haben! Alle drei Stile gehören einfach zum Leben in Louisiana. Egal wo man sich zwischen Port Arthur, Baton Rouge und Lafayette aufhält, gibt es immer eine Kneipe, einen Club, ein Festival, ein „cooko“ – ein Barbecue – wo Musik zu hören ist. Sie gehört zum Alltag. Nur wenige Musiker sind Pro s und können von der Musik leben. Aber gespielt wird immer und überall.

Dieses lebensbejahende Gefühl oder auf Französisch „laissez les bons temps rouler“ zaubert das American Cajun, Blues & Zydeco Festival auf die Bühne. Es werden traditionelle Cajun und Zydeco Klassiker, wie man sie überall in Louisiana seit über 100 Jahren hören kann, gespielt. Aber auch R&B getränkte Titel, die auch jeden Rock’n‘Roll Fan verzücken werden. Rau und schmutzig, voller Sentimentalität und Lebensfreude. Cajun, Zydeco und R&B sind Tanzmusik. Die Musiker brennen darauf, die Menschen zum Tanzen zu bringen. Egal ob es gekonnt ein „Two-Step“ oder Walzer ist, Hauptsache man bewegt sich im Rhythmus mit. Da gilt für alle: „hop, skip & jump“. Würden die Alligatoren draußen vor den Fenstern schwimmen, man könnte sich irgendwo am Bayou fühlen. Die Temperaturen können bei großem Publikumsandrang wie im tropischen Louisiana sein. Bei so einer Hitze braut sich schnell was zusammen und wie bei einem Wirbelsturm entlädt sich dieses aufgestaute Lebensgefühl in einer euphorischen Session. Mit dieser geht das Festival immer zu Ende: wild, fröhlich, schwitzend, laut und lebenslustig!

Zu einem authentischen Festival Feeling gehört auch eine im Louisiana Stil dekorierte Bühne, Cajun Snacks und landestypische Getränke. Die Musiker werfen schon mal ein paar ‚beads‘ ins Publikum. Das sind Plastikperlenketten in den Farben des‚ Mardi Gras‘, des Karneval-Dienstags. In New Orleans werden diese beim Karneval von den Balkonen geworfen und die Frauen unten müssen dafür die Bluse lüften. Das American Cajun, Blues & Zydeco Festival bringt eine frische Brise in die hiesige Konzertlandschaft. Für Freunde authentischer Kultur ein Muss. Da kann man den Fans nur zurufen: „see you later alligator!“

Sarah Savoy’s Hell-Raising Hayride

Sarah Savoy - Hell-Raising HayrideEndlich mal eine Cajun & Zydeco Band, die von einer Frau geführt wird. Und was für einer! Sarah Savoy ist ein Energiebündel, das ihre Musiker und Zuschauer mit ungestümer Leidenschaft antreibt. Ihrem Elan, ihrer eindringenden Körpersprache und markanter Stimme kann sich niemand entziehen. Sie ist der jüngste Spross einer Musikerdynastie aus Louisiana. Ihr berühmter Vater Marc hat ihr den Cajun und das Akkordeon quasi in die Wiege gelegt. Aber wie es oft im Leben kommt, musste sich Sarah erstmal von ihrem Übervater und dem Cajun emanzipieren. Sie lernte Piano, Cello und dann Gitarre. Sie begeisterte sich für Punk Bands wie die Sex Pistols und Black Flag und coverte ihre Songs. Erst später hat sich der Kreis geschlossen und sie schloss mit dem Cajun und dem dafür so typischen Akkordeon Frieden. Eine junge Wilde ist sie aber trotzdem geblieben, denn mit ihrer Band hat sie einen Rock ’n’ Roll lastigen Cajun geprägt. Im heimischen Louisiana wird ihr Stil ohne eine Serviette vor den Mund zu nehmen als „kick ass Cajun“ bezeichnet. Das Englische Froots Magazin nannte sie „The queen of white trash Cajun“. Jetzt, ein paar Jahre später,  ndet die reifer gewordene Sarah „Princess of the Cajun accordion“, wie sie ein anderer Journalist nannte, passender. Der Name ihrer Band „Hell-Raising Hayride“ ist ein Tribut an die gleichnamige Rundfunksendung, die zwischen 1948 und1960 in Louisiana sehr populär war. Da hörte man die aktuellsten Country, Rock ’n’ Roll, Cajun & Zydeco Klänge wie z.B. Hank Williams, Patsy Cline oder Elvis Presley, die bei Sarahs musikalischem Werdegang alle eine Spur hinterlassen haben. Sarah lässt sich von der für diesen Musikstil klassischen Besetzung Schlagzeug, E-Bass, E-Gitarre und Fiddle begleiten. Neben ihren CD-Produktionen hat sie sich aber auch als Buchautorin hervorgetan: 2013 wurde ein Kochbuch in England verlegt und mit einem Buchpreis ausgezeichnet. Um welche Küche sich da wohl handelt? Aber klar: Um die der französischen Auswanderer in das Mississippi-Delta. Es geht um Gumbo, Jambalaya und die Pecan Pies. Lassen wir uns überraschen mit welchen musikalischen Zutaten sie ihren Auftritt würzt…

Buddy Flett

Buddy Flett Rough Edges BluesDer im Jahre 2011 für einen Grammy nominierte Bluesmusiker aus Shreveport, Louisiana wird in einem Atemzug mit Joe Bonamassa, Ronnie Earl und Kenny Wayne Shepherd genannt. Mit dem Letzteren hat er auf dessen CD „Ten Days Out“ gespielt und dafür Platin gewonnen. Er war in der Vergangenheit u.a. in der Band von Hubert Sumlin und spielte auch mit B.B. King. Auf einer Tour 2007 hat er sich eine Hirnhautentzündung zugezogen, welche er nach langer, schwerer Krankheit überstanden hat. Es brauchte viel Kraft und eine Reha bis er wieder singen und Gitarre spielen konnte. Was einen aber nicht umbringt, macht einen stark. Wie wahr dieses Sprichwort ist, hört man seiner Musik jetzt an.

Seine im Herbst 2013 veröffentlichte CD ‚Rough Edges‘ ist eine schnörkellose, raue Reise durch den Blues. Er selbst nennt es pur und primitiv. Man kann es aber auch als reif und geerdet bezeichnen. Nur einer, der wirklich in den Abgrund geschaut hat, wird den Blues ohne Wenn und Aber singen können. Buddy begleitet sich am liebsten auf einer o en gestimmten Dobro. Sein Markenzeichen ist eine Miniatur Bassdrum, die er bei jedem seiner Songs mit seinen Cowboystiefeln traktiert.

Buddy Flett Rough Edges Blues Bei seinem Klassiker “Train“ schlägt er die Saiten seiner Dobro und singt herzzerreißend den Blues. Man spürt förmlich wie sich eine Dampfeisenbahn Schwelle für Schwelle, Meile um Meile durch die sengende Hitze Louisianas quält. Seinen Mentor Hubert Sumlin würdigt er mit dem Titel “Born in Mississippi (Mr. Hubert) “ und auch Südstaaten-Rocker Duane Allmans Song “Lil Martha“ gewinnt neue Qualitäten. Der Titel der CD ist Programm – Rough Edges: „no pretty-boy bluesstu “ schreibt ein amerikanischer Musikjournalist. Wie wahr…

Cajun Roosters

Cajun RoostersDie Cajun Roosters sind echte Meister darin, das französische Lebensgefühl – „laissez les bons temps rouler“ – musikalisch in die Tat umzusetzen und eine ausgelassene Partyatmosphäre zu scha¬ffen. Wenn man sich im Mississippi Delta und den Sümpfen von Louisiana auf dem Weg zu einer Party macht, dann schallt es fröhlich: „Let’s go bayou boogaloo!“ Das sind also die Lebensgeister, die die Konzerte der Cajun Roosters beflügeln. Dieser Band eilt der Ruf voraus, eine der authentischsten und besten Cajun & Zydeco Bands außerhalb der USA zu sein. Das ist nicht einfach so behauptet, sondern lässt sich an einigen Auszeichnungen ablesen, mit denen die Gruppe geehrt wurde.

„Crank It Up“, die erste CD der Band wurde 2006 zur Besten Europäischen Cajun CD gewählt! Darauf hat die Band mit großer Leidenschaft bodenständigen, rauen und wilden Cajun und Zydeco als Hommage an die großen Meister der Louisiana-Musik eingespielt. Bei den European Cajun Music Awards wurde der Akkordeonist Chris Hall – der übrigens auch als Gastmusiker auf CDs von Paul McCartney, Bill Wyman und Kate Bush gespielt hat – 2006, 2007 und 2008 zum „Besten Europäischen Cajun Akkordeonspieler“ gewählt und die Band 2006 & 2007 & 2008 zur „Besten Europäischen Cajun Band“. Im August 2007 wurde die CD „Crank it up“ in Lafayette/Louisiana von der „Cajun French Music Association“ mit dem „Prix dehors de nous“ ausgezeichnet. Dieser Award wird einmal im Jahr an verdiente Musiker in Louisiana verliehen und an eine Band außerhalb der Region Louisiana/East-Texas. Das ist eine Art Cajun-Grammy! Und der Hammer kam dann 2009. Da wurde beim selben Wettbewerb „Double shot“ zur zweitbesten und „from the swamps & bayous of Louisiana“ zur drittbesten CD gewählt. Noch nie hat es eine Band gescha¬fft, mit gleich 2 CDs in die Ränge zu kommen! Die 2012 erschienene CD „Okra and a pepper“ wurde bei den „Cajun Grammies“ als das zweitbeste Album ausgezeichnet. Die Band hat es im Akkordeon Magazin damit zur Coverstory gescha¬fft und in den Fachmagazinen wie BlueRhythm, Bluesnews oder Folker sehr gute Kritiken eingefahren. Mit dem aktuellen Album „Hell yeah!“ werden die Cajun Roosters diese Erfolgsgeschichte weiter fortschreiben.

Interessant, dass die „Cajun Hähne“ aus fünf Ländern kommen. Eine Schottin zusammen mit einem deutschen, englischen, belgischen und französischen Musiker, die jeweils als die Besten des Genres in ihrem Mutterland gelten. Das macht die Band zu einer echt europäischen Formation. Echt international liest sich auch der Tourneeplan der Gruppe. In Deutschland, Frankreich, England, Benelux, Dänemark, Österreich, Schweiz, Italien und ja sogar Indonesien kann die Band Auftritte als Headliner vorweisen. TV und Radio Auftritte unter anderem BBC 2 (UK) in Mark Lamarrs: God‘s Jukebox Show Juni 2008.

Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Auf der „Hühnerleiter“ der Cajun & Zydeco Musik in Europa sitzen die „Cajun Hähne“ ganz weit oben und können stolz ihre Federn plustern.

Videos:

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