BLUES COMPANY

12.04.2013

BLUES COMPANY

Datum: 12.04.2013

Kategorie: Konzert

Konzertdetails:

Musiktheater Piano
Lütgendortmunder Straße 43 Dortmund DE-NW 44388 DE
  • Datum
    12.04.2013
  • Einlass / Beginn
    19:00 Uhr / 19:00 Uhr
  • Tickets
    VVK: 15,00 € / AK: 19,00 €

Konzertinformation:

Diese Band ist heiß. Sehr heiß.

Und das will was heißen. Schließlich handelt es sich bei der Blues Company aus Osnabrück nicht um einen Haufen junger Wilder, nicht – wie man im Wirtschaftsjargon sagen würde – um Existenzgründer. Sondern um ein Team gestandener Männer mit jeder Menge Erfahrung und Know-how. Die Musiker, die hier am Werk sind, haben dafür gesorgt, dass der Name ihrer „Firma“ längst ein anerkanntes Gütesiegel ist: „Blues Company“, das steht schlicht für die langlebigste und erfolgreichste Blues-Band Deutschlands. Dabei unterstreichen diese Profis mit jeder neuen Aufnahme, mit jedem Konzert, dass ihnen der Blues eine Herzensangelegenheit ist, dass in ihrem Innern das alte Feuer brennt wie eh und je.

Von eingefahrener Routine findet sich keine Spur, im Gegenteil. Hier wirkt eine fruchtbare Wechselbeziehung: Ihr Publikum liebt, was sie machen. Das wiederum spornt die Band an, und so kann sie den Fans ganz ungekünstelt zeigen, wie sie ihre Musik lebt und belebt.

Der Blues hat seit den 60er Jahren praktisch jede Generation junger, weißer, enthusiastischer Musiker begeistert. Ganz so lange ist die Blues Company noch nicht dabei. Am 20. Mai 1976 startete die Band ihren Blues-Kreuzzug. An diesem Tag kletterte sie zum ersten Mal auf eine Bühne, um dem versammelten Saal im Zwölftakt-Rhythmus einzuheizen. Nach unzähligen weiteren Live-Missionen, im Frühjahr 2006, konnte sie dann stolz ihr 30-jähriges Bestehen feiern.

Am Anfang waren Blues-Company-Konzerte nicht nur Spaß und harte Arbeit. Sie waren echte Pioniertaten. Denn „Blues in Germany“, professionell gespielt von personell stabilen Bands, gab es vor den Osnabrückern praktisch nicht. Was es gab, waren Tourneen von US-amerikanischen Blues-Größen, die im alten Europa oft größere Wertschätzung genossen als in ihrer Heimat. Die Blues-Company-Musiker begleiteten viele dieser Champions bei ihren Auftritten in Deutschland. So lernten sie nicht nur die alten Meister kennen, sie zogen auch die Bewunderung vieler junger Blues-Freaks auf sich. So mancher, der sich seither im Übungskeller eine Gitarre umschnallte oder auf dem Drum-Schemel Platz nahm, um dem Zwölftakt-Sound zu frönen, ist durch die Blues Company erst auf den Geschmack gekommen (weit über Deutschlands Grenzen hinaus übrigens – erst vor Kurzem bekannte ein junger und sehr guter Bluesgitarrist aus Ungarn nach einem Konzert, dass er von eben dieser Band entscheidend beeinflusst wurde).

Dass die Company selbst einen langen Atem beweist – dafür steht der Mitbegründer der Band, der Sänger, Gitarrist, Komponist und Sound-Freak Todor „Toscho“ Todorovic. Der Blues-Mann, 1951 in Lingen im norddeutschen Emsland geboren, erhielt schon von seinen Eltern, die aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen und nach dem Zweiten Weltkrieg in die West-Bundesrepublik geflohen waren, vielfältige musikalische Anregungen. Was Toscho von ihnen und von den Grand Old Men des Blues lernte, von B.B. King oder Muddy Waters, brachte er mit Herzblut in „seine“ Blues Company ein.

Toscho spielt nicht nur den Blues, er lebt ihn voll und ganz. Blues ist ohne Mitgefühl nicht denkbar. Und so organisiert der Bandleader seit vielen Jahren auch größere Benefizveranstaltungen in seiner Wahlheimat. Für sein soziales Engagement erhielt er 1993 die Bürgermedaille der Stadt Osnabrück.

Weil der Blues eine Live-Musik ist, arbeitete Toscho auch beharrlich an seinem Profil als Entertainer. Es ist eine Lust zu beobachten, wie der Mann einen eingängigen Refrain mimisch untermalt, wie er auf der Gitarre das Publikum mit einem flinken Solo elektrisiert oder mit einer satten Melodiefigur in Trance versetzt, wie er mit seiner markanten, dunklen Stimme Emotionen weckt. An seiner Seite versierte Mitstreiter. Im aktuellen Line-up sind das – quasi als Kern-Band – der zweite Gitarrist Mike Titre (seit 1980 dabei), Arnold Ogrodnik, Bass und Orgel , sowie Florian Schaube, Schlagzeug.

Rekordverdächtige 3000 Auftritte quer durch Europa hat die Blues Company in mehr als einem Vierteljahrhundert bestritten. Und selbst in den einschlägigen US-Clubs gilt die Band heute als Geheimtipp mit steigendem Kurswert.

Damit nicht genug: Dass die fleißigste, spielfreudigste und langlebigste Blues-Band in deutschen Landen auch die kommerziell erfolgreichste ist, verdankt sie der hohen Qualität ihrer Studioaufnahmen. Etliche ihrer gut 20 Alben gehören zu den umsatzstärksten deutschen Blues-Scheiben aller Zeiten, so „Damn! Let’s Jam“ (1991), „Vintage“ (1995), die Best-of „Blues, Ballads And Assorted Love Songs“ (1997), „Invitation To The Blues“ (2000) sowie das mit dem renommierten US-Produzenten Scott Billington eingespielte „From Daybreak To Heartbreak“ (2003).

Die Fans honorieren mit ihren CD-Käufen auch, dass die Männer der Blues Company niemals musikalische Puristen gewesen sind. Toscho & Co. lieben die Abwechslung. „Blues verändert sich ständig – und bleibt gerade dadurch lebendig“, lautet ihr Credo. Und so pflegen sie einen innovativen, Scheuklappen-freien Umgang mit dem Blues-Genre: Rock, Soul oder New-Orleans-Sounds gehören ganz selbstverständlich zu ihrem Ausdrucksrepertoire, und gerne experimentieren sie mit frischen Sounds. 1999 holte Toscho die „Fabulous BC Horns“, den Trompeter Uwe Nolopp und den Tenorsaxophonisten und Arrangeur Robert Kretzschmar, in die Band. Und mit den „Triple X Horns“ (= BC Horns plus vier zusätzliche Bläser) kommt jazziger Bigband-Sound ins Spiel. Um das 30er Jubiläum herum fanden gar gemeinsame Sessions mit der NDR Bigband statt, die bekanntermaßen neuen Dingen gegenüber stets aufgeschlossen ist.

Eine echte Überraschung war auch der 2005er Coup der Combo. Für „The Quiet Side Of Blues Company“ gönnten Todorovic und Titre ihren heiß geliebten Fender-Gitarren eine Verschnaufpause und kredenzten in Quartett-Formation handgemachte Musik ohne Elektronik. In liebevollen „Unplugged“-Arrangements präsentierte man Oldies, von Robert Johnson bis Muddy Waters, gepaart mit einigen Blues-Company-Hits.

Nach diesem unverschämt relaxten Trip zurück zu den „Roots“, den Ursprüngen des Blues, zeigen Toscho & Co. auf dem neuen Album „Hot And Ready To Serve“ wieder das, wofür man sie schon immer kennt und schätzt: Hier wird druckvoller, moderner, Gitarren-betonter Blues serviert. Wie das Cover unmissverständlich andeutet, ist diese Musik ein „Gumbo“, ein New-Orleans-Eintopf, sehr nahrhaft und scharf gewürzt mit allen möglichen Zutaten, die im großen Garten des Blues wachsen und gedeihen. Treibender 50er-Jahre-Rhythm & Blues („Till The Lights Go Out“) und Boogaloo („My Guitar And Me“) stehen neben funky music („Soon Or Later“), tiefgründigen Balladen („Dark Day“), einer Scat-(!)Einlage des Boss („Shake It Don’t Break It“) und Toschos Tribute an den großen Freddie King mit „Hideaway/Peter Gun Theme“.

So komplex und vielseitig die Musik, so anspruchsvoll die Texte. Toscho beschränkt sich hier wieder mal nicht auf das Wehklagen eines verlassenen Liebhabers oder auf das Beschreiben der guten Gefühle, die ein Bluesmusiker hat, wenn er auf der Bühne ganz in seinem Element ist. Er tut auch das, ja. Aber er singt ebenso über Straßenkinder („Kids“) und Obdachlose („Soon Or Later“) im „Erste Welt“-Land Deutschland, oder er reflektiert den Fall der Berliner Mauer und die darauf folgenden Umbrüche in Osteuropa („The People“). In „Plastic People“ wiederum (mit Mike Titres erstem Gesangseinsatz auf einer Blues-Company-Scheibe) geht’s darum, dass in der heutigen Plastik-Welt auch die Menschen immer künstlicher werden.

Bliebe noch „Hollywood“. In diesem Song erzählt Toscho von einem Ereignis, das er selbst als „Sahnehäubchen auf seiner musikalischen Karriere“ empfindet. Der bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnete amerikanische Filmproduzent und Drehbuchautor Ian Gurvitz klopfte im Herbst 2006 bei der Blues Company und ihrer Plattenfirma an: Er wollte den Song „Blue And Lonesome“ aus dem Album „Keepin’ The Blues Alive“ als Titelmotiv für seinen Film „L.A. Blues“.

Es war wohl das erste Mal, dass Hollywood einen Blues-Song aus Deutschland importiert. Spätestens das macht klar: Die Blues Company ist eine international agierende Firma mit einem international erfolgreichen Produkt.

 

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