STEVE WYNN

04.03.2015

STEVE WYNN

Datum: 04.03.2015

Kategorie: Konzert

Veranstalter: 3Dog-Entertainment oHG

Konzertdetails:

Musiktheater Piano
Lütgendortmunder Straße 43 Dortmund DE-NW 44388 DE
  • Datum
    04.03.2015
  • Einlass / Beginn
    19:00 Uhr / 20:00 Uhr
  • Tickets
    VVK: 14,00 € / AK: 18,00 €

Konzertinformation:

Zmajski most. Die Drachenbrücke gehört zu den ultimativen Sehenswürdigkeiten in der Altstadt Ljubljanas, der Hauptstadt Sloweniens. Für den Zeitraum von drei Wochen im September 2007 gehörte diese Brücke zum täglichen Arbeitsweg des amerikanischen Rockmusikers Steve Wynn von seinem Apartment zu Chris Eckman’s Aufnahmestudio, in dem sein neues Album entstand: Crossing Dragon Bridge. Und das bedeutet für alle eingefleischten Wynn-Anhänger komplettes Umdenken. Denn der hat eine Platte gemacht, die anders klingt als alles, was jemals zuvor unter seinem Namen erschienen ist!

Seit etwa 30 Jahren ist der stets so jugendlich wirkende, sympathische Musiker bereits aktiv, gehört zum Establishment des guten alten Indie Rock. Seine Zeit mit The Dream Syndicate in den 80er Jahren ist legendär und wird in jedem soliden Rocklexikon ausführlich geschildert. Eine schillernde Solokarriere mit einem guten Dutzend meist deutlich Rock-orientierter Produktionen läuft ab 1990. Seit Beginn des neuen Jahrtausend gab es dann für den ehemaligen Westküstler einen neuen Wohnort (Manhattan) und eine neue Band (The Miracle 3), zusammen mit seiner Lebensgefährtin und Schlagzeugerin Linda Pitmon. Eine umfangreiche Studiotrilogie made in Tucson, Arizona, zahlreiche Tourneen, die auch jedesmal zu uns nach Europa führten und ein abschließendes Livedokument bilden einen monumentalen Block in Steve Wynn’s jüngerer Karriere, führten ihn an körperliche Grenzen und reizten das hard & heavy Electric Rock Quartett-Thema bis zum letzten Akkord aus. Die Reunion mit Green On Red’s Dan Stuart als Danny & Dusty war danach aus einer spontanen Idee heraus geboren. Am Anfang wollte man nur mal wieder zusammentreffen, dann ein paar Gigs spielen, eine neue Platte aufnehmen… Was daraus wurde, wissen alle Blue Rose-Fans: eine fast zweijährige Tour de Force durch Europa mit neuen Studioaufnahmen und Livemitschnitten, die sowohl die unerwartet ernsthafte Professionalität der Band als auch die lockere Partystimmung festhalten.

Verschnaufpause und Neustart in Ljubljana. Das schien genau der richtige Ort, um sich von den jüngsten Strapazen und einem mentalen Ausverkauf zu erholen, und so nahm Wynn die bereits lange geltende Offerte von Chris Eckman für eine kreative Zusammenarbeit gerne an. Eckman, hinlänglich bekannt als Partner von Carla Torgerson bei den Walkabouts sowie diversen Chris & Carla-Projekten, hat sich, motiviert durch eine neue Beziehung, auf die dynamisch wirkende, auch kulturell enorm aufstrebende Stadt eines ganz anderen Kulturkreises schon seit geraumer Zeit eingelassen, sie zu seinem neuen Lebensmittelpunkt gemacht und ein eigenes Studio errichtet. Dort entstanden in den vergangenen Jahren u.a. etliche Projekte für das slowenische Fernsehen, Produktionen für die kroatischen Surf Rocker Bambi Molesters, Experimente mit Dub, Downbeat, Kammermusik, Soundtracks und Ambient/Electronica. Eckman’s jüngstes Unternehmen heißt Dirtmusic, eine Art Roadmovie zu musikalischen Ursprüngen wie Folk, Blues & Roots mit Chris Brokaw und Hugo Race. Und dann Crossing Dragon Bridge!

Eingebettet in zwei Versionen der ‚Slovenian Rhapsody‘ – Part 1 zu Beginn und Part 2 am Ende – hat Steve Wynn eine Art Konzeptalbum komponiert, das sich inhaltlich mit persönlichen und grundsätzlichen Fragen des Lebens beschäftigt und eine ganz neue Sichtweise auf seine New Yorker Existenz frei gibt – aus großer Entfernung eben und aus einer völlig losgelösten Situation heraus. Diese Spannung kleiden Wynn und Eckman – jawohl, in nicht unerheblichem Maße ist dieses Album ein Duowerk! – in mutige, innovative Arrangements und ungewöhnliche Songstrukturen. Der mit lautem Gitarrenrock verwöhnte Steve Wynn-Kenner muss sich dabei gewaltig umstellen, geradlinige Formen und die direkte Rockansprache sucht er hier vergeblich. Dafür erlebt er komplizierte Melodien, behutsamen Alternative Pop, mit programmierten Beats unterlegte Folkballaden, opulent orchestrierte Chansons und Songwriter Rock mit eingeflochtener Electronica. Die Arbeitsgrundlage war dabei für alle 13 Stücke dieselbe: Steve Wynn lieferte die Songideen, Texte und spielte die Basic Tracks solo ein, mit Acoustic Guitar und Lead Vocals. Gelegentlich fügte er Tonspuren mit Harmonica, Orgel, Bass, Keyboards und elektrischen Gitarren hinzu. Danach komplettierte Chris Eckman diese Rohdiamanten mit seiner ganz eigenen Soundlandschaft aus Drum Programming und Ambient Sounds, addierte eigene Gitarrenparts, verzierte einzelne Songs mit Banjo, Zither, Mellotron, Cembalo und anderen Keyboards, engagierte das Apollon Chamber Orchestra aus Prag oder die Carnice Vocal Group. Später kamen sogar noch kleine Beiträge von alten Weggefährten wie Chris Cacavas, Nick Luca, Tim Adams und Kirk Swan dazu, am Ende wurde alles von dem für filigranes, atmosphärisch stimmiges Klangwerk berühmten Tucker Martine (Decemberists, Laura Veirs, Jesse Sykes, Downpilot, Transmissionary Six, Walkabouts, Jim White) in Seattle abgemischt.

Crossing Dragon Bridge ist ein sehr spezielles Steve Wynn-Album geworden, das so niemals in New York, Tucson oder Los Angeles hätte entstehen können. Es atmet die Luft Ljubljanas.

Artikel weiterempfehlen: